7 Jahre mit einem Tumor im Gepäck

Mitteilung vom: 06.07.2021
Prof. Dr. Erol Sandalcioglu und PD Dr. Belal Neyazi sowie das OP Team
Prof. Dr. Erol Sandalcioglu und PD Dr. Belal Neyazi sowie das OP Team

Durch einen Zufallsbefund entdeckter Tumor im oberen Rückenmark wird in der Universitätsmedizin Magdeburg erfolgreich entfernt

Im Frühjahr dieses Jahres haben Prof. Dr. Erol Sandalcioglu, Direktor der Universitätsklinik für Neurochirurgie und Oberarzt PD Dr. Belal Neyazi, dem Patienten M. Ebers einen Tumor aus dem oberen Rückenmark erfolgreich entfernt.

Patient M. Ebers schilderte, dass er große Angst vor der OP hatte und sehr erleichtert war, als er nach der Narkose seine Beine bewegen konnte. Die Angst war berechtigt, denn der Tumor lag an einer hochkritischen Stelle und der Eingriff mit einem Risiko verbunden. Patient M. Ebers hatte jedoch von Beginn an ein großes Vertrauen in den erfahrenen Chirurgen Prof. Sandalcioglu gesetzt, der auf eine langjährige Berufserfahrung zurückblicken kann.

Bei dem Tumor von des Patienten handelte es sich um ein Ependymom. Diese Tumorart gehört zu den häufigsten intraduralen Tumoren des Rückenmarks. Ependymome entwickeln sich meist innerhalb des Rückenmarks und treiben dieses von innen auf. Unbehandelt können sie wachsen und in Folge von Druckschädigungen zu Symptomen führen.

Zu den häufigsten Symptomen eines spinalen Tumors gehören Schmerzen und neurologische Störungen, z. B. Taubheitsgefühl. Wie stark die Beschwerden sind, hängt von der Größe und der Lokalisation des Tumors ab. Es kann zu einer Lähmung der Beine und/oder Arme kommen, schlimmstenfalls zu einer Querschnittslähmung.

Wie kam es zum Zufallsbefund

Im Winter 2014 fiel der Patient M. Ebers, der gerne in seinem Obstgarten gärtnert, von der Leiter auf den festgefrorenen Rasen. Mit großer Kraftanstrengung schaffte er es zurück ins Haus und wurde von seiner Frau liegend aufgefunden. Mit einem Rettungswagen kam er nach Helmstedt ins Krankenhaus und wurde dort operiert. Er hatte sich bei dem Sturz schwere Verletzungen mit vielen Brüchen zugezogen und dennoch Glück im Unglück gehabt. Mit Platten und Schrauben wurden die Brüche stabilisiert.

Aber es blieb nicht bei den Verletzungen, die sich der Patient durch den Sturz zugezogen hatte. Bei den, nach dem Unfall gemachten MRT-Aufnahmen entdeckten die Ärzte einen Tumor am Halswirbel. Auf Grund der besorgniserregenden Lage empfahlen die Ärzte dem Patienten, diesen nach der Reha operativ entfernen zu lassen. Da der Tumor keine Beschwerden verursachte, entschloss sich M. Ebers gegen einen chirurgischen Eingriff, zu groß war seine Sorge, nach einer Operation ein Pflegefall zu werden.

Einige Jahre nach der Entdeckung des Tumors machten sich beim Patienten erste Symptome, wie kribbeln an den Fingern, bemerkbar. Später breiteten sich die Symptome an der ganzen Hand und dann an beiden Händen und Füßen aus. Patent Ebers suchte daraufhin einen Neurochirurgen auf, der ihm sofort eine Überweisung ausstellte, mit der Dringlichkeit, so schnell wie möglich eine große Klinik aufzusuchen. Hierbei wurde u.a. auch die Universitätsmedizin Magdeburg empfohlen.
Ende Februar 2021 wurde Patient M. Ebers in der Neurochirurgischen Klinik der Universitätsmedizin aufgenommen. Zur Vorbereitung auf die OP wurden aktuelle MRT Aufnahmen gemacht und diese zeigten, dass der Tumor gewachsen ist und somit die Beschwerden verursachte.

Bei der Operation kam ein hochmodernes Operationsmikroskop, das weltweit zu den innovativsten gehört, zum Einsatz. Die eingebaute Robotik unterstützt den Operateur durch eine automatische Steuerung des Mikroskops und bietet dadurch die präzise Betrachtung aus vielen Perspektiven. Mit dem integrierten Mikro-Inspektionstool kann der Neurochirurg sogar um die Ecke sehen und damit z.B. hinter Gefäße und Nerven blicken. Das ist sehr wichtig, um sicher zu gehen, dass keine weiteren wichtigen Strukturen beeinträchtigt sind. Mit speziellen Kontrastmitteln können die Durchblutung von Gefäßen und die Grenzen zwischen Tumorgewebe und gesundem Gewebe sichtbar gemacht werden. "Das verschafft uns noch mehr Gewissheit bei unseren Entscheidungen, welches und wieviel Gewebe letztlich entfernt werden muss", so der Neurochirurg Prof. Dr. Erol Sandalcioglu.

Inzwischen erholt sich der Patient von der OP und laut Biopsie ist der Tumor gutartig gewesen. In regelmäßigen Abständen wird M. Ebers zur Nachkontrolle kommen.


Anlage:
Foto: Prof. Dr. Erol Sandalcioglu und PD Dr. Belal Neyazi sowie das OP Team
Fotograf: Christian Morawe/ UMMD

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